Kartengeschichte Teil 16: Die Bretagne um 1698 – zwischen Meer, Stolz und Geschichte
Wie de Wits Kupferkarte eine eigenständige Region am Rand Europas sichtbar machte
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts, in einer Zeit politischer Konsolidierung und kultureller Blüte unter Ludwig XIV., entsteht eine Karte, die eine der eigenwilligsten Regionen Frankreichs in präziser Schönheit festhält: die Bretagne um 1698. Die von Frederik de Wit, einem der bedeutendsten niederländischen Kartographen seiner Epoche, veröffentlichte Darstellung zeigt ein Land zwischen Atlantik und Ärmelkanal – geprägt von rauer Küste, tief verwurzelter Tradition und jahrhundertealter Eigenständigkeit.
Diese Karte ist mehr als ein geografisches Dokument. Sie ist ein Porträt einer Region, deren Identität von Meer, Mythos und Geschichte geformt wurde.
Die Bretagne – Ein Land am Rand und doch im Zentrum
Um 1698 ist die Bretagne ein Herzogtum mit langer historischer Sonderstellung. Zwar seit dem 16. Jahrhundert an die französische Krone gebunden, bleibt die Region kulturell und politisch eigenständig.
Bretonische Sprache, keltische Traditionen, unabhängige Seefahrt und ein starkes regionales Bewusstsein prägen das Leben zwischen den vier Departements, die später entstehen sollten.
Die Karte zeigt diese Eigenheit deutlich:
ein Land, das vom Meer umschlossen und zugleich mit dem Herzen Frankreichs verbunden ist.
Die scharf gezogenen Grenzen, die fein verästelten Küstenlinien und die dichte Topografie vermitteln ein Bild einer Region, die nie isoliert, aber stets unverwechselbar war.
Ein Kunstwerk der niederländischen Kartographie
Frederik de Wit, Teil der berühmten Amsterdamer Kartographenschulen des 17. Jahrhunderts, verbindet in dieser Karte zwei Meisterschaften:
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topografische Genauigkeit,
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ästhetische Eleganz.
Die Küsten der Bretagne – mit ihren Klippen, Inseln, Buchten und Meerengen – gehören zu den komplexesten Europas. Die Karte erfasst sie mit einer für die Zeit bemerkenswerten Präzision. Jeder Küstenabschnitt, jeder Hafen, jede vorgelagerte Insel scheint bewusst modelliert, fast wie ein handgeschnitztes Relief.
Die farbige Grenzführung verleiht der Karte Ordnung, während feine Beschriftungen selbst kleinste Orte sichtbar machen. Besonders auffällig ist die dekorative Kartusche im Südwesten: Figuren des Meeres, mit Dreizack, Schalentiere und symbolische Pflanzen, rahmen den Titel – eine Hommage an die maritime Identität der Bretagne.
Die Bretagne in der Karte – Struktur und Landschaft
Die Darstellung lässt die geographische Vielfalt der Region eindrucksvoll hervortreten:
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Der äußerste Westen (Cornouaille und Léon): schroffe Küsten, verstreute Siedlungen, stark vom Atlantik geprägt.
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Der Norden (Trégor, Saint-Malo, Dol): Handelsstädte, befestigte Orte und eine Küste voller Riffe, die zugleich Schutz und Gefahr bot.
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Der Süden (Vannes, Loire-Mündung): mildere Küstenformen, bedeutende Flüsse und Seewege, die Handel und Kommunikation erleichterten.
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Der Osten: Übergangsraum zu Frankreich – hier verdichten sich Straßen, Dörfer und Verwaltungsstrukturen.
Diese Vielfalt zeigt die Bretagne als ein Mosaik aus mikroregionalen Identitäten, die sich in Dialekten, Bräuchen und Wirtschaftsweisen unterschieden, aber durch das Meer miteinander verbunden waren.
Meer, Handel und Macht – die maritime Seele der Bretagne
Kein Element prägt die Karte stärker als das Meer.
Die Bretagne war eine Region von Fischern, Seeleuten, Korsaren und Händlern. Städte wie Saint-Malo oder Brest entwickelten sich zu maritimen Zentren von europäischer Bedeutung.
Für Frankreich war die Küste strategisch unverzichtbar:
Häfen, Werften und militärische Posten boten Schutz vor Feinden und Ausgangspunkte für Überseehandel. In der Karte wird diese Bedeutung durch die Hervorhebung der Hafenstädte und Küstenlinien betont.
Die Bretagne präsentiert sich nicht als Randgebiet, sondern als Tor zur Welt.
Kartographie als Spiegel einer Epoche
Die Karte von 1698 entstand in einer Zeit, in der die Vermessung Europas zu einem politischen Instrument geworden war. Von Amsterdam aus lieferten Kartographen wie de Wit nicht nur geografische Daten, sondern auch visuelle Erzählungen über Territorien, Machtverhältnisse und kulturelle Identitäten.
Die Bretagne erscheint in dieser Darstellung:
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klar strukturiert,
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reich an Details,
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eingebettet in die größeren politischen Ordnungen Frankreichs,
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aber dennoch unverkennbar eigenständig.
Das Zusammenspiel aus Wissen, Kunst und Repräsentation macht die Karte zu einem typischen Produkt der frühen Neuzeit – und zu einem Dokument regionaler Würde.
Ein Blick in eine Vergangenheit voller Charakter
Heute, mehr als 300 Jahre später, begeistert diese Karte durch ihre Präzision und ihre Schönheit.
Sie ist ein Zeugnis einer Landschaft, deren Küsten unverändert spektakulär, deren Orte jedoch von Jahrhunderten geformt wurden.
Wer die Bretagne liebt, findet hier nicht nur eine geografische Darstellung, sondern eine historische Momentaufnahme ihres Wesens:
ein Land, das sich stets vom Meer ernährte, sich gegen Mächte behauptete und bis heute stolz auf seine kulturelle Eigenheit ist.
Die Karte von Frederik de Wit zeigt all dies – und macht sichtbar, was die Bretagne seit Jahrhunderten ausmacht:
Meer, Stolz und Geschichte.
Diese historische Landkarte von Bretagne um 1698 ist Teil der Kollektion der Kartenhandlung Rothert – in feinster Druckqualität, auf hochwertigem Papier und optional gerahmt erhältlich.
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